Kleinunternehmen anmelden und Kleingewerbe Steuern & Versicherungen

Der Sprung in die Selbstständigkeit beginnt bei vielen Menschen mit einem Kleinunternehmen als Nebengewerbe. Egal, ob Du eine Marktlücke nutzen willst, von zu Hause aus ein Nebengewerbe betreiben willst oder eine neue Geschäftsidee hast, Du musst zum Start einiges beachten. Ein Kleinunternehmen anmelden oder ein Einzelunternehmen gründen ist allerdings nicht so schwer, wenn Du einige Dinge beachtest.

Definition Nebengewerbe

Ein Nebengewerbe betreibt der, der damit maximal 18 Stunden Arbeit pro Woche investiert. Unabhängig davon, darf die Anzahl der Stunden im Nebengewerbe die im Hauptgewerbe nicht überschreiten. Hast Du eine Haupttätigkeit, bei der Du nur 15 Stunden pro Woche arbeitest, darfst Du auch nicht mehr Stunden in Deinem Nebengewerbe arbeiten. Beim Nebengewerbe fallen keine Beiträge für die gesetzliche Sozialversicherung an.

Diese sind bereits durch das Hauptgewerbe gedeckt. Die Anmeldung des Gewerbes kostet zwischen 10 und 60 Euro – je nach Gemeinde. Einzelunternehmen gründen ist also nicht wirklich kostspielig, wenn es um die öffentlichen Gebühren geht. Auf die Anmeldung bei der Gemeinde folgt die Anmeldung bei anderen Stellen. Zum Beispiel beim örtlichen Finanzamt oder bei der Industrie- und Handelskammer. Wenn Du weniger als 25.000 Euro Gewinn pro Jahr erzielst, musst Du keinen IHK-Beitrag entrichten. Andernfalls beträgt der Beitrag mindestens 32 Euro pro Jahr. Handwerker sind bei einem Gewinn von unter 25.000 Euro vom HWK-Beitrag befreit.

Im Normalfall kannst Du für Kleingewerbe Steuern, die im Nebengewerbe anfallen, Deine private Steuernummer verwenden. Falls das nicht der Fall ist, weist Dir das Finanzamt eine neue Steuernummer zu. Eine Anmeldung im Handelsregister ist normalerweise nicht nötig. Es sei denn Du hast vor, einen kaufmännischen Gewerbebetrieb zu führen. In diesem Fall musst Du aber einige Dinge beachten. Hier gibt es ganz genaue Vorschriften, was Du hinsichtlich Bilanzierung, Jahresabschluss etc. beachten musst.
Wichtig ist auch der Unterschied zwischen den Begriffen Nebentätigkeit und Nebengewerbe. Das Nebengewerbe ist dabei ein angemeldetes Gewerbe. Die Nebentätigkeit kann jede Tätigkeit sein, die nicht hauptberuflich ausgeübt wird.

Kleinunternehmen anmelden – das musst Du beachten

Beim Kleinunternehmen anmelden drängen sich dem Jungunternehmen oft jede Menge Fragen auf. Neben der Frage, ob Du die passende Marktlücke findest, musst Du in Deutschland auch einige Formalien beachten. Du stellst Dir am Anfang vielleicht folgende Fragen: Was genau ist ein Nebengewerbe? Wo muss ich mein Nebengewerbe anmelden? Wann muss ich es anmelden? Muss ich die Kleinunternehmerregelung beachten? Und es stellt sich die Frage nach den Kleingewerbe Steuern. Auch wenn das nach komplizierten Fragen klingt: Ein Einzelunternehmen gründen ist kein Hexenwerk, Du musst nur einige Dinge beachten. Schwieriger als die passende Marktlücke zu finden, ist es sicher nicht.

Doch wo meldest Du das Gewerbe an: Ein Nebengewerbe oder Kleinunternehmen anmelden kannst Du grundsätzlich beim Gewerbeamt. Und zwar nach § 14 GewO (Gewerbeordnung). Das Formular zur Anmeldung ist nur eine Seite lang. Und schon hältst Du Deinen Gewerbeschein in Händen. Je nachdem zu welcher Berufsgruppe Du gehörst, musst Du noch weitere Dinge beachten. Wer im Handwerk sein Kleinunternehmen anmelden möchte, benötigt zum Beispiel eine Handwerkskarte. Diese wird von der Handwerkkammer ausgestellt. Und es ist wichtig welche Rechtsform Du wählst,wenn Du ein Einzelunternehmen gründen willst. Aber dazu weiter unten.

Ein Gewerbe anmelden entfällt bei Freien Berufen, „Katalogberufen“ oder in den Bereich Land-, Forst- und Fischwirtschaft fallen. Freie Berufe sind Anwälte, Ärzte, Steuerberater, Architekten, Journalisten und Lehrer. Eine vollständige Auflistung findet sich in § 18 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG).
Deinen Arbeitgeber musst Du übrigens nicht zwingend darüber informieren, dass Du ein Kleingewerbe steuern und ein Einzelunternehmen gründen willst. Es sei denn Du bist Beamter, Soldat, Richter oder ähnliches. Oder Du trittst in direkte Konkurrenz zu Deinem aktuellen Unternehmen. Es ist aber trotzdem ratsam, dass Du Deinen Chef über Dein Vorhaben informierst.

Kleingewerbe Steuern – ein Überblick

Wenn Du ein Einzelunternehmen gründen willst oder ein Nebengewerbe anmelden willst, um eine tolle Marktlücke zu nutzen, musst Du einige steuerliche Dinge beachten.

Für Betreiber eines Nebengewerbes können Gewerbesteuer, Einkommenssteuer, Lohnsteuer und Umsatzsteuer anfallen. Doch es gibt verschiedene Freibeträge. Für die Gewerbesteuer gibt es einen Freibetrag von 24.500 Euro pro Jahr. Ist der Ertrag durch das Nebengewerbe höher als dieser Betrag erfolgt die Versteuerung nach Steuermesszahl und Hebesatz. Die Steuermesszahl beträgt in Deutschland 3,5 Prozent. Der Hebesatz ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Wenn Du Gewerbesteuer entrichtest, wird das mit Deiner persönlichen Einkommenssteuer verrechnet. Du wirst also hier nicht doppelt besteuert. Normalerweise hast Du erst dann eine Belastung durch die Gewerbesteuer, wenn die Gemeinde einen Hebesatz von über 400 Prozent an.

Umsatzsteuer fällt dann an, wenn Du nicht die Kleinunternehmerregelung beanspruchst. Dann kannst Du Vorsteuer ausweisen und bist berechtigt, sie wieder vom Finanzamt einzufordern. Dazu benötigst Du eine Umsatzsteuer-Ident-Nummer (UID). Diese kannst Du beim Bundesamt für Steuern beantragen. Wichtig ist, dass Du sie auch bei allen Rechnung ins Ausland angibst. Bei Rechnung im Inland kann die UID die Steuernummer ersetzen.

Neben den Steuern ist auch die Rechtsform ein wichtiger Punkt. Deswegen erklärt der nächste Abschnitt die wichtigsten Rechtsformen, wenn Du ein Einzelunternehmen gründen willst. Freiberufler müssen sich beim Gründen eines Einzelunternehmens übrigens nicht für eine Rechtsform entscheiden.

Einzelunternehmen gründen: Die verschiedenen Rechtsformen

  • Eingetragene Kaufleute (e.K): Diese Form ist günstig, da sie kein Stammkapital benötigt. Außerdem geht sie schnell, da keine Beurkundung beim Notar nötig ist. Du brauchst lediglich eine Eintragung im Handelsregister, um „eingetragener Kaufmann” zu werden. Wer unter die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer fällt, muss außerdem keine Bilanz erstellen. Der große Nachteil ist, dass Du im Haftungsfall mit Deinem gesamten Privatvermögen haftet. Außerdem kann die Beschaffung von Fremdkapital schwierig sein. Aber die Form kann eine gute Idee sein, wenn Du schnell sein musst, um z.B. eine Marktlücke zu nutzen.
  • GbR als Kleinunternehmen: Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) muss aus mindestens zwei Personen bestehen. Die Anmeldung erfolgt beim Gewerbeamt. Diese Rechtsform hat sich in der Landwirtschaft, in Gemeinschaftspraxen und in der Kreativbranche etabliert. Sie ist nicht sehr kapitalintensiv, da keine Mindesteinlagen nötig sind. Nachteile sind die persönliche Haftung und dass ein Gesellschaftsvertrag nötig ist. Zudem ist die Mitgliedschaft in der IHK, HWK oder einer anderen Berufskammer Pflicht. Somit ist diese Form etwas aufwändiger als die des e.K. Sie ist aber dennoch für die schnelle Gründung geeignet. Und Zeit ist bei einer Marktlücke oft der entscheidende Faktor.
  • UG (haftungsbeschränkt): Die UG ist der GmbH ähnlich. Die Haftung ist auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt und die Besteuerung ist die gleiche, wie bei der GmbH. Ein Vorteil zur GmbH ist, dass nur ein Euro pro Gesellschafter eingebracht werden muss. Die Kosten für die Gründung sind teurer als bei GbR oder e.K.. Denn es fallen Kosten für den Notar, für den Eintrag im Handelsregister und evtl. weitere Kosten an.
  • GmbH: Die GmbH ist beliebt, benötigt aber ein Stammkapital von 25.000 Euro. Somit hat die GmbH die höchsten Kosten für die Gründung und der Aufwand für die Organisation ist hoch. Allerdings ist sie mit Abstand die angesehenste Form. Wenn Du aber mal eben schnell ein Unternehmen gründen willst, um eine Marktlücke zu nutzen, ist die GmbH wohl nicht die richtige Form.

Versicherung im Nebengewerbe

Wenn Du ein Kleingewerbe steuern willst, musst Du Dich auch mit dem Thema Versicherungen beschäftigen. Denn es kann Auswirkungen auf Deine Krankenversicherung und Deine Rentenversicherung haben, wenn du ein Kleinunternehmen anmelden willst. Und auch eine Haftpflichtversicherung ist sinnvoll., wenn Du ein Kleingewerbe steuern willst und eine Marktlücke ausnutzen willst.

Krankenversicherung: Solange das Nebengewerbe 18 Stunden pro Woche nicht überschreitet und nicht die Haupttätigkeit übersteigt, bist Du über Deine Haupttätigkeit bzw. über die Bundesagentur für Arbeit (falls Du Leistungen beziehst) krankenversichert. Überwiegt der Nebenerwerb oder macht er mehr als 18 Stunden aus, musst Du ich dafür extra krankenversichern. Das kann entweder eine private Krankenversicherung oder eine freiwillig gesetzliche Versicherung sein.

Pflicht zur Rentenversicherung im Nebengewerbe: Wenn Du die Geringfügigkeitsgrenze von 400 Euro überschreitest, musst Du auf Deine Gewinne einen Beitrag zur Rentenversicherung zahlen. Dazu musst Du eine Schätzung Deines Gewinns abgeben.
Haftpflichtversicherung: Auch wenn sie nicht verpflichtend ist, eine Haftpflicht ist sehr sinnvoll, wenn Du ein Einzelunternehmen gründen willst. Denn Du kannst Dich gegen verschiedene Risiken absichern. Dieses Geld solltest Du auf alle Fälle investieren, wenn Du ein Kleingewerbe steuern willst. Denn oft weißt Du nicht, was genau passiert, wenn Du die Chance ergreifst eine Marktlücke zu beackern und Dein Business aufzuziehen.

Die Kleinunternehmerregelung

Wer ein Kleinunternehmen anmelden will, kommt früher oder später bestimmt mit dem Begriff Kleinunternehmerregelung in Kontakt. Dabei ist ein Kleinunternehmen nicht das gleiche wie ein Kleingewerbe. Ein Kleingewerbe ist ein Gewerbe, das nicht ins Handelsregister eingetragen werden muss. Es kann aber sehr wohl die Kleinunternehmerregelung nutzen.

Die Kleinunternehmerregelung hat etwas mit Kleingewerbe Steuern zu tun. Denn nach § 19 UStG erlaubt sie, dass Unternehmer mit Umsätzen unter 17.500 Euro im vergangenen Jahr von der Umsatzsteuer befreit sind. Umsätze aus dem laufenden Jahr dürfen 50.000 Euro nicht überschreiten. Wer bei der Gründung den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllt, kann dabei angeben, ob er die Kleinunternehmerregelung nutzen will. Wer die Regelung wählt, kann den Vorsteuerabzug für seine betrieblichen Ausgaben nicht geltend machen. Die Entscheidung gilt für fünf Jahre.
Für die Regelung entscheiden solltest Du Dich, wenn du Dein Kleinunternehmen anmelden willst, wenn folgende Voraussetzungen bestehen:

  • Du machst nur wenige Anschaffungen und es fällt wenig Vorsteuer an.
  • Du willst den Verwaltungsaufwand gering halten.
  • Deine Kunden sind vor allem Privatleute.
  • Du hast nur Kunden aus dem Inland.

Du musst dann allerdings bei jeder Rechnung darauf hinweisen, dass Du keine Umsatzsteuer berechnest. Wenn Du vor allem im B2B-Bereich tätig sein willst und weißt, dass Deine Firmenkunden überwiegend Firmen sind, solltest Du die Kleinunternehmerregelung nicht anwenden.

Wenn Du also eine Idee hast oder eine Marktlücke nutzen willst und ein Kleinunternehmen anmelden oder ein Einzelunternehmen gründen willst, leg los. Lass Dich nicht von Kleingewerbe Steuern oder den Formalien abschrecken. All das ist machbar und Du kannst schon schnell in Deiner Marktlücke erfolgreich sein, wenn Du ein paar einfache Regeln beachtest.

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